Paraguay: Kolonialgeschichte, Einwanderung und Integration

Was können wir von Parallelgesellschaften, Eigeninitiativen und Empowerment-Projekten lernen?

Bildungsreise

Asuncion, die Hauptstadt Paraguays, wird auch Mutter der Städte (Madre de Cuidades) genannt, weil von dem dortigen Hafen die Siedler aufbrachen, die später Buenos Aires gegründet und weite Teile des südamerikanischen Kontinents besiedelt haben. Das koloniale Erbe ist in der Architektur der Stadt immer noch präsent, jedoch ebenso in der sozialen Struktur der Bevölkerung. Obwohl es in der paraguayischen Gesellschaft im Gegensatz zu anderen Ländern seit Jahrhunderten eine starke Durchmischung der kolonialen Einwanderer mit den indigenen Völkern der Guarani und Tupi gab, sind auch heute noch deutliche Abgrenzungen einzelner Gruppen zu sehen. Zusätzlich brachten die zahlreichen Einwanderungswellen des letzten Jahrhunderts viele weitere Gruppen nach Paraguay. Es gibt eine große deutsche Bevölkerungsgruppe, die keinesfalls homogen ist. Weiterhin gibt es zahlreiche japanische, koreanische, chinesische, russische und japanische Gemeinden. Die so entstandenen Parallelwelten koexistieren heutzutage friedlich nebeneinander aber nicht immer im gegenseitigen Wohlwollen. In den letzten Jahren haben sich viele Initiativen gebildet, die diese Situation ändern wollen und erfolgreich Projekte zur Integration und zum Empowerment benachteiligter Gruppen initialisiert haben. Erst dadurch werden eine Partizipation und gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft möglich und eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung ermöglicht.

 

In diesem Seminar fokussieren wir uns auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen, die durch Eigeninitiative und Projekte zu Bildung, Umweltschutz und Empowerment ihrer Armut und Ausgrenzung entkommen (Nachhaltigkeitsziel #10 „Weniger Ungleichheit“ der Agenda 2030 der Vereinten Nationen). Wir gehen der Frage nach, was diese Gruppen gemeinsam haben und welche Lösungen erfolgreich waren. Wir ziehen Vergleiche zur gesellschaftlichen Situation in Deutschland und zur aktuellen Integrationsdebatte. In einer Diskussion mit der deutschen Gemeinde in Asuncion wechseln wir die Sichtweise und betrachten die Deutschen als Einwanderer. Wir suchen nach Antworten, welche Rahmenbedingungen zur Entstehung von Parallelgesellschaften beitragen. Wir entwickeln und erproben Methoden für einen eigenen Workshop oder eine Unterrichtseinheit zur Bearbeitung der Themen Integration, Umweltschutz und Empowerment.

Programm

1. Tag

  • Flug ab Deutschland (über Nacht, Eigenorganisation, siehe Anreise)

2. Tag

  • Ankunft in Asunción, Transfer vom Flughafen
  • Zeit für eigene Erkundungen (z.B. fakultativ: klassische Stadtrundfahrt)
  • Abends: Begrüßung durch die Kursleiterin und Kennenlernen der Teilnehmenden

3 – 7. Tag

  • Das Seminar findet zu den o.a. Themen mit Exkursionen im Stadtgebiet und der näheren Umgebung statt. Im Rahmen einer Bildungsreise sind nur diese Tage anerkennungsfähig.

Überblick der Seminartage

  • Tag: Kolonial- und Einwanderergeschichte anhand der Architektur der Altstadt von Asunción. Besichtigungen historischer Kolonialbauten und Diskussion mit einer Historikerin. Mythologie der „alten und der neuen Welt“ – Ureinwohner und die Vermischung mit den hinzugekommenen Kulturen.
  • Tag: Parallelgesellschaften im Zentrum Asuncións – Ein Besuch in der Favela Chacarita. Treffen mit der Einwohnerinitiative Chacatours, die lokales Engagement zur Wiederbelebung und Öffnung nach außen fördert. Besuch des Stadtteils San Geronimo, welcher sich durch Eigeninitiative vom Armenviertel zum Ausgehviertel gewandelt hat.
  • Tag: „Die Welt gibt uns Müll. Wir geben ihr Musik zurück“ Besuch des Projekts „Das Recycling Orchester aus Cateura“ Ein Kinder- und Jugendorchester macht Musik aus Müllinstrumenten. Zum Projekt gehört neben dem Orchester auch eine Musikschule und eine Werkstatt für die Herstellung von Instrumenten aus recycelten Gegenständen.
    Kennenlernen von innovativen Lehr- und Lernmethoden. Entwicklung eines eigenen Workshops oder einer Unterrichtseinheit zum Thema Umweltschutz / Mythologie / Gesellschaft für den Besuch an der deutschen Schule am letzten Seminartag.
  • Tag: Exkursion (1h mit dem Bus) nach Aregua. Besuch der Dorfschulgemeinde „El cántaro Bioescuela comunitaria“. Die Gemeinde gründete ihre eigene Grundschule, Volkshochschule und Bibliothek und fördert lokale Initiativen zu Bildung, Umweltschutz und Empowerment.
  • Tag: Die deutsche Migrationsgeschichte in Asuncion. Besuch einer deutschen Schule, Durchführung eines Projektworkshops mit Kindern und Jugendlichen, Gespräch mit der Leitung des Instituto Cultural Paraguayo Aleman über die Migrationsgeschichte der Deutschen nach Paraguay und über die aktuelle Welle.

8. Tag

  • Zeit für eigene Erkundungen, Rückflug nach Deutschland (nachmittags)

9. Tag

Ankunft in Deutschland

Zielgruppe

Das Seminar steht allen Interessierten offen. Für Teilnehmende aus dem Bereich Kinder-, Jugend- oder Erwachsenenbildung bedient das Seminar auch Aspekte der beruflichen Weiterbildung.

Teilnehmendenzahl: 5-8

Ort

Asuncion, Paraguay

Termin

05.11.2022 – 06.11.2022 (Anreise und Ankunft in PY)

07.11.2022 – 11.11.2022 (Seminartage)

12.11.2022 – 13.11.2022 (Abreise und Ankunft in DE)

Leistungen

  • Vorbereitungs- und Unterrichtsmaterialien
  • Exkursionen und Eintrittsgelder
  • 6 Übernachtungen HP mit Frühstück
  • Doppelzimmer im Kulturzentrum Espacio E (geteilte Dusche und WC auf der Etage)
  • Aufpreis für Einzelzimmer mit Bad im benachbarten Hotel Asuncion Palace: 240€

Anreise

Die Anreise ist nicht im Paket inbegriffen. Es ist günstiger, wenn Sie früh einen Flug buchen. Wir beraten Sie gerne. Bitte erkundigen Sie sich vorher, ob die Mindestteilnehmerzahl erreicht ist.

 

 

Programmänderungen bzw. -verschiebungen aus organisatorischen Gründen vorbehalten.

Das Seminar umfasst mindestens 6 Zeitstunden Unterricht täglich und erfüllt damit die gesetzlichen Vorgaben. Die vollständige Anwesenheit ist für die Erteilung der Teilnahmebescheinigung erforderlich

Das Seminar dient der politischen und beruflichen Weiterbildung. Im Moment beantragen wir die Anerkennung als Bildungszeit in Berlin. Bitte wenden Sie sich an uns, wenn diese Anerkennung für Sie notwendig ist. Sie können auch an diesem Seminar teilnehmen, wenn Sie Ihren Tarifurlaub in Anspruch nehmen.

Bitte beachten: Im Rahmen einer Bildungsreise sind nur die Tage drei bis sieben (Montag – Freitag) anerkennungsfähig.